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Kinder- und Jugendanwaltschaft
4021 Linz, Energiestraße 2 • Telefon + 43 732 / 7720 14001
E-Mail kija@ooe.gv.at • https://www.kija-ooe.at/

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Fünf Kinder signalisieren mit ihrer ausgestreckten Hand „Stopp!“

(Quelle: KiJA / Meister)

Trusted Flagger

Die KiJA setzt sich als Trusted Flagger für Online-Kinderrechte und den Schutz vor Hass im Netz ein.

Wenn du auf Social Media mit Inhalten konfrontiert bist, die rechtswidrig sind, dich verletzen, beleidigen oder diskriminieren, musst du das nicht einfach so hinnehmen.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist offizieller Trusted Flagger (vertrauenswürdiger Hinweisgeber) nach dem DSA (Digital Services Act).

Wir sind Expert*innen für:
-    Cybermobbing und- Gewalt
-    Rechtswidrige Äußerungen
-    Beeinträchtigung des Jugendschutzes
-    Pornografie und Gefahr für die öffentliche Sicherheit

Wenn du problematische Inhalte melden möchtest, unterstützen wir dich dabei. Zuerst prüfen wir, ob die Inhalte wirklich gegen das Gesetz verstoßen. Ist das der Fall, leiten wir deine Meldung anonym an die Plattform weiter. Unsere Meldungen müssen von Plattformen bevorzugt behandelt und schneller bearbeitet werden.

Wir unterstützen dich und sorgen dafür, dass deine Rechte im Netz ernst genommen werden.

Sofort melden

1. Dokumentiere die problematischen Inhalte möglichst vollständig mit Screenshots, URL, Datum, Name des Profils und Name der Person.

2. Füll das Meldeformular kurz aus. Wenn du möchtest, kannst du dabei anonym bleiben! Wichtig: Wir nehmen nur Meldungen zu Inhalten in deutscher und englischer Sprache entgegen.

3. Wir prüfen deinen Fall. Ist der Inhalt strafbar oder verstößt er gegen die Community-Richtlinien der jeweiligen Plattform, machen wir umgehend eine Meldung.

Wichtig zu wissen: Wir liefern die Hinweise und fordern eine Löschung. Die Entscheidung darüber liegt letztlich bei der Plattform. Aber: Je mehr Infos du uns schickst, desto besser können wir den Fall für dich aufbereiten.

4. Durch unseren Status als Trusted Flagger muss die Plattform jetzt schneller reagieren. Wir informieren dich sofort über den Verlauf der Meldung.

5. Wir dokumentieren alle Fälle anonym und schaffen Transparenz, denn so wird das Verhalten der Plattformen sichtbar. 

Ich brauch noch mehr Infos

Hass im Netz ist kein „Internet-Trend“, sondern digitale Gewalt. Cybergewalt tut weh, macht Angst und kann dein Leben auch offline stark belasten. Wichtig: Es ist niemals deine Schuld!

Hier sind Beispiele für Inhalte, bei denen wir als Trusted Flagger aktiv werden:

Verhetzung & Diskriminierung: Angriffe gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderung, sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts.

•    Ein TikTok-Video, das gegen Geflüchtete aufhetzt oder eine Gruppe aufgrund ihrer Religion entmenschlicht.

Bildmissbrauch & Nacktaufnahmen: Das Teilen von Intimbildern ohne Einverständnis oder das Versenden von „Dickpics“.

•    Dein Ex-Freund postet ein Foto von dir in Unterwäsche, um dich bloßzustellen, oder jemand erstellt ein Deepfake-Video von dir.

Gefährliche Inhalte & Gewalt: Verherrlichung von Tierquälerei, Gewalt oder Challenges, bei denen sich Leute ernsthaft verletzen könnten.

•    Ein Reel, das zu Straftaten aufruft oder Suizid und Essstörungen als „cool“ darstellt.

Cybermobbing, Beleidigung & Drohungen: Wenn jemand systematisch fertiggemacht wird oder körperliche Gewalt angedroht bekommt.

•    Ein öffentlicher Kommentar: „Ich weiß, wo du wohnst, ich krieg dich heute Abend.“

Doxxing & Identitätsklau: Veröffentlichung deiner Privatdaten (Adresse, Telefonnummer) oder Fake-Profile, die deinen Namen und deine Fotos nutzen.

•    Ein Account auf Instagram nutzt deine Fotos und postet in deinem Namen Lügen, um deinen Ruf zu zerstören.

Verbotsgesetz: Verbreitung von Nazi-Symbolen oder rechtsextremer Hetze.

•    Kommentare, die den Nationalsozialismus verherrlichen oder entsprechende Symbole zeigen.

Nicht alles, was hasserfüllt ist, ist sofort strafbar. Aber:

•    Hassmotive sind vor Gericht ein Erschwerungsgrund. Das bedeutet, dass Täter und Täterinnen härter bestraft werden können, wenn sie aus Hass gegen bestimmte Gruppen handeln.

•    Interessenabwägung: Bei Äußerungen wird stets zwischen der Meinungsfreiheit und dem Strafrecht abgewogen. Dabei wird geprüft, ob es sich um eine Tatsachenbehauptung (beweisbar) oder ein Werturteil (Meinung) handelt.

•    Community-Regeln: Auch wenn etwas rechtlich gerade noch erlaubt ist, kann es gegen die Regeln von TikTok, Instagram & Co. verstoßen – und wir können die Löschung fordern.

•    Profile melden: Wenn ein Profil besonders häufig illegale Inhalte postet, teil uns das mit. Oft kommt es nicht nur auf den einzelnen Inhalt, sondern auch auf die Häufigkeit der Verstöße an.

•    Achtung Deepfakes: Die rechtliche Regelung bei KI-gefälschten Bildern ist oft noch kompliziert.

Wir informieren dich über den Verlauf deiner Meldung. Online-Gewalt kann verschiedene rechtliche Folgen haben. Es kann sein, dass nach einer Meldung noch weitere rechtliche Schritte notwendig sind. Wir beraten dich vertraulich.

•    Strafrecht (Gericht & Polizei): Bei schweren Delikten wie Verhetzung oder gefährlicher Drohung kann die Polizei ermitteln. Es drohen Geld- oder Freiheitsstrafen für Täter und Täterinnen. Manchmal ist eine Anzeige sinnvoll – manchmal gibt es bessere Wege. Dabei ist zu beachten:  

  • Was steckt dahinter? Wer ist die Person und was ist das Ziel des Hasses?
  • Gibt es Lösungen ohne Gericht? Kann eine einvernehmliche Lösung oder eine zivilrechtliche Unterlassung schneller helfen?
  • Was ist gut für DICH? Dein Wohlbefinden steht an erster Stelle. Eine Anzeige sollte dich entlasten, nicht zusätzlich stressen.
  • Solltest du zur Polizei gehen, lies zuvor unbedingt unsere Polizeibroschüre.

•    Verwaltungsstrafrecht: Vergehen, die mit Geldstrafen geahndet werden.

•    Zivil- & Medienrecht: Du kannst fordern, dass Inhalte gelöscht werden (Unterlassung) oder Schmerzensgeld (Schadenersatz) verlangen.

•    Wenn es tatsächlich zu einem Gerichtsverfahren kommt, hast du in bestimmten Fällen Anspruch auf juristische oder psychosoziale Prozessbegleitung. Wir stellen gemeinsam mit dir den Kontakt zu anderen Einrichtungen wie dem Kinderschutzzentrum oder dem Gewaltschutzzentrum her.

•    Auf Saferinternet.at findest du Anleitungen, wie du Inhalte auf den Plattformen auch selbst meldest und deine Privatsphäre-Einstellungen optimierst.

Egal welchen Weg du wählst: Wir unterstützen dich dabei. Melde dich bei uns!